Esomus
metallicus - Flugbarbe
von
Christian
Westhäuser (2001)
Vorwort:
Im
Herbst 1999 verbrachten meine Frau und ich unseren Urlaub bei
Verwandten in Thailand. Während unseres 16tägigen
Aufenthaltes in Banglamung/Pattaya unternahm ich mehrere Tümpeltouren
in der näheren Umgebung, die unter anderem in ein Reisfeld
führten.
In einem Tümpel - eigentlich war es nur eine größere Pfütze (ca. 2x1 Meter, 40 cm tief) durch die ein kleiner Teich in das angrenzende Reisfeld entwässerte, entdeckte ich mir bis dahin unbekannte Fische. Wie sich später herausstellte, handelte es sich um Esomus metallicus - zu deutsch: Flugbarben.
Biotop:
Esomus
metallicus war sowohl im Tümpel als auch im Teich vertreten.
Jedoch konnte ich keine Tiere im Reisfeld entdecken, was sich durch
die Temperaturunterschiede erklären könnte. Im Teich sowie
im kleinen Tümpel habe ich bei meinen beiden Besuchen eine
Wassertemperatur von 32° C bzw. 29° C (diese Temperaturen
stellen nicht das Jahresmittel dar, sondern sind eine
Momentbetrachtung!) bei geringer Wasserbewegung gemessen; im Reisfeld
dagegen 37° C bzw. 34° C; die Leitfähigkeit betrug 780
µS, der PH-Wert knapp über 7.
Der Teich war ganztägig der prallen Sonne ausgeliefert, die Vegetation beschränkte sich auf diverse Sumpfpflanzen am Teichrand; der Bodengrund war sumpfig und nicht zu begehen.
Der
Fang der sehr flinken Tiere gestaltete sich als schweißtreibende
Geduldsprobe. Bei 41° C Lufttemperatur konnte ich am ersten Tag
innerhalb eineinhalb Stunden nur vier Flugbarben sowie eine mir
unbekannte Schmerle die unseren einheimischen Steinbeißern
ähnelt in dem kleinen Tümpel fangen; am zweiten Tag war ich
erfolgreicher: ich fing sieben Tiere.
Sobald ich durch den
eigenen Schatten oder mit dem Kescher die Tiere erschreckte,
verschwanden innerhalb weniger Sekunden sämtliche Flugbarben aus
meinem Blickfeld. Nach mehreren Minuten erschien der Schwarm -
bestehend aus 15-20 Tieren - wie aus dem Nichts wieder nach Nahrung
suchend an der Wasseroberfläche. Ich vermute, daß sie sich
auf den Grund absenkten und durch ihre fast transparente Färbung
nicht mehr zu sehen waren. Der bei Fangversuchen aufgewirbelte
Schlamm trug sein weiteres dazu bei, daß ich nach jedem
Kescherzug eine Pause machen mußte.
Beschreibung:
Der größte von mir gefangene Fisch hatte eine Länge von ca. 65 mm, alle anderen waren bedeutend kleiner. Die kleineren Exemplare wurden in meinem Aquarium bisher nicht größer als ca. 60 mm.
Besonders auffallend sind das mehrere Zentimeter lange Bartelpaar und die extrem großen Brustflossen, die wie Flügel vom Körper abstehen. Die Grundfarbe des Körpers ist grau; das schmale, vom Kiemendeckel bis zur Schwanzwurzel reichende Längsband teilt sich in zwei Teile auf: die untere Hälfte ist dunkelgrau (stimmungsabhängig manchmal fast nicht erkennbar), die obere Hälfte goldglänzend. Geschlechtsunterschiede wurden von mir keine festgestellt.
Pflege im Aquarium:
Ich pflegte die Tiere über ein Jahr zusammen mit der kleinen Schmerle aus dem gleichen Biotop in einem Artbecken mit 250l Inhalt (100x50x50 cm) bei 25° C Wassertemperatur in Untersiemauer Leitungswasser (PH=7,6, LW=280µS). Gefiltert wird über einen Mattenfilter, betrieben mit einer kleinen Tauchpumpe, die für eine geringe Strömung sorgt. Der Boden ist nur minimal mit einer feinen Sandschicht bedeckt und das Aquarium hat bis auf etwas Javamoos keine Bepflanzung (keine Beleuchtung!).
Flugbarben sind Gruppentiere, die sich gegenüber Artgenossen sehr verspielt verhalten. Leider sind sie bei mir unheimlich schreckhaft und schossen in den ersten Wochen nach dem Import bei jeder Erschütterung planlos durch das Becken.
Das Aquarium muß bis auf den letzten Winkel abgedeckt sein, da sie nicht nur schnelle Schwimmer, sondern auch gute Springer sind. Wenn ich vergaß, das Becken nach dem Füttern wieder komplett abzudecken, war damit zu rechnen, daß am nächsten Morgen ein Tier vertrocknet auf dem Fußboden lag. Hierbei ist zu beachten, daß sie immerhin 20 cm (vom Wasserspiegel bis zum Beckenrand) überwinden mußten.
Die Fütterung war für mich problematisch: meinen restlichen Pfleglinge benötigten fast ausschließlich Lebendfutter und gerade dieses wurde nur recht zögerlich angenommen. Bevorzugt wurde Flockenfutter, welches hauptsächlich von der Wasseroberfläche angenommen wurde. Auch regelmäßige Fütterungsversuche mit Fruchtfliegen führten nur zu mäßigem Erfolg. Aus einem Meter Entfernung konnte man die Fische beobachten, wie sie den Bodengrund nach Nahrung absuchten.
Vor einigen Monaten habe ich die Wasserhärte gesenkt, Totholz eingebracht und eine Beleuchtung installiert. Die Wasseroberfläche ist mittlerweile mit Schwimmenden Hornfarn (Ceratopteris pteridoides) und Teichlinsen zugewuchert; zehn Copella cf. nattereri bevölkern seit mehreren Wochen zusätzlich das Aquarium. Die Schreckhaftigkeit der Fische hat sich gelegt; was mir jedoch wichtiger erscheint: meine Flugbarben nehmen seit der Vergesellschaftung mit »Nahrungskonkurrenten« willig jegliches Lebendfutter an!
Probleme
/ ungeklärte Fragen:
Mein Bestand an Flugbarben wurde entweder durch Herausspringen einzelner Tiere reduziert oder durch eine Erkrankung, bei der einzelne Tiere kurz hinter dem Kopf abmagern. Die Abmagerung beginnt mit einer kleinen Einbuchtung der Kehle. Man kann es sich wie das Gegenteil eines Kropfes vorstellen. Der Fisch lebt von Beginn der Erscheinung noch mehrere Wochen und nimmt bis zu seinem Tod Nahrung auf. Das Endstadium ist erreicht, wenn der Fisch innerhalb von ca. 14 Tagen am ganzen Körper abmagert und nur noch aus einem Schädel und einem mit Haut überzogenen Skelett besteht.
Den Beginn dieser »Erkrankung« (starke Einbuchtung der Kehle) konnte ich auch in der Quarantäneanlage eines Hamburger Zoohändlers sehen. Ich vermute, daß die Tiere mittlerweile verstorben sind. Im Aquarienatlas Band 3 (1. Auflage, Seite 209) ist eine »Streifenflugbarbe« (Esomus lineatus) abgebildet, die diese Erkrankung in der Anfangsphase zeigt.
Ich bin an einem Erfahrungsaustausch mit Aquarianern sehr interessiert, die das beschriebene Krankheitsbild kennen bzw. beobachtet haben.
Nachwort:
Es war für mich ein bisher einmaliges Erlebnis, tropische Aquarienfische in ihrer natürlichen Umgebung zu beobachten und zu fangen. Ich möchte jedoch jeden davor warnen, in der Euphorie des Tümpelns nicht auf körpereigene Signale zu achten. Nach zwei Stunden in der prallen Sonne und schweißtreibender körperlicher Belastung bekam ich innerhalb weniger Minuten erst Kopfschmerzen, anschließend wackelige Beine und Sehstörungen (»schwarze Flecken« im Blickfeld), die ich auf unzureichende Wasseraufnahme zurückführe - ein knapper Liter Wasser für zwei Erwachsene ist einfach zu wenig. Bei meinem ersten Reisfeldbesuch bin ich nur durch einen freundlichen Thailänder vor einem Kreislaufkollaps bewahrt worden: er bot uns an, die letzten zwei Kilometer in seinem Jeep - beladen mit Kokosnüssen - zurück zur Hauptstraße mitzufahren, was wir gerne annahmen.
Literaturnachweis:
SHRESTHA,
JIWAN (1994): Fishes, fishing implements & methods of
nepal
RIEHL/BAENSCH (1990): Aquarienatlas Band 3, Mergus-Verlag